Die häufigste teure Entscheidung in der Gastronomie fällt vor dem ersten Einkauf, vor dem ersten Mitarbeiter und vor der ersten Speisekarte: die Standortwahl. Ein starkes Konzept kann einen schwachen Standort selten retten — umgekehrt verzeiht ein starker Standort erstaunlich viele Anfangsfehler.
Frequenz ist nicht gleich Frequenz
Viele Menschen vor der Tür bedeuten nicht automatisch viele Gäste. Entscheidend ist, ob die Menschen, die dort vorbeikommen, in der richtigen Situation sind: Haben sie Zeit? Haben sie Hunger? Passt Ihr Preisniveau zu ihrem Anlass? Eine Fußgängerzone mit Laufkundschaft um 14 Uhr hilft wenig, wenn Ihr Konzept vom Abendgeschäft lebt.
Deshalb gehört zu jeder Standortprüfung die Beobachtung zu verschiedenen Zeiten: morgens, mittags, abends, am Wochenende. Wer einen Standort nur bei einer Besichtigung am Dienstagvormittag gesehen hat, hat ihn nicht gesehen.
Die Fläche muss zum Konzept passen — nicht umgekehrt
Zu große Flächen sind ein unterschätztes Risiko: Jeder Quadratmeter kostet Miete, Energie, Reinigung und vor allem Personal. Ein voller kleiner Laden fühlt sich für Gäste besser an als eine halbleere Großfläche — und wirtschaftlich ist er es meistens auch.
Prüfen Sie außerdem die unsichtbaren Faktoren: Lüftung und Abluft, Starkstrom, Wasseranschlüsse, Lagerflächen, Anlieferung und Parkplätze. Nachrüstungen in diesen Bereichen kosten schnell fünfstellige Beträge.
Das ehrliche Fazit
Manchmal ist die beste Standortentscheidung ein Nein. Wer sich früh eine ehrliche Einschätzung holt — bevor der Mietvertrag unterschrieben ist — spart sich im schlechtesten Fall Jahre des Kämpfens gegen eine Lage, die nie funktionieren konnte.